Die Schützentradition in Hallenberg Drucken

FreischießenGegen Ende des 13. Jahrhunderts entwickelten sich parallel zum Städtewesen die Schützengesellschaften. Die Hauptaufgabe der damaligen Gesellschaften lag in der Verteidigung der Städte.

Die bildeten eine Art Eliteeinheit, die im Umgang mit den neuen Feuerwaffen gut trainiert war. Damit die Schützen treffsicher blieben, wurden regelmäßig Schießübungen abgehalten, die häufig mit einer Festfeier verbunden waren. Bei diesen Veranstaltungen erhielt der beste Schütze einen Preis. Die erste Auszeichnung über ein Übungsschießen in Hallenberg stammt aus dem Jahre 1618.

"Umn ein hamel die burgerschaft geschossen, so die schutzen im borgvirtel kaufen und verehren mussen."
(HQAV, Q-Nr. 1318)

Die Stadt Hallenberg war damals in vier Quartale eingeteilt:
1. Quartal: Burg, das Stadtviertel um die Burg herum
2. Quartal: Rabhun, Mühlenstraße, Katzenberg genannt "Grünes Meer"
3. Quartal: Eysernhut, entlang der Weife an der Mauer
4. Quartal: Eudeut, das Stadtviertel am der Mauer am unteren Tor

Jedes Quartal hatte ein eigenes Backhaus und eine Schäferei. Aus der nachfolgenden Aufzeichnung, einer beglaubigten Abschrift aus dem Staatsarchiv Münster (Msc. VII Nr. 5909, Band 3, Blatt 6 zu 1667), ist zu entnehmen, dass in jenen Jahren schon reges Schützenbrauchtum gepflegt wurde.

Eintragungen über ein "Freischießen" finden sich im Stadtarchiv für die Jahre 1618, 1667, 1678 und 1680. Wie aus den Protokollen weiter hervorgeht, hatte jedes Quartal seine Schützenabteilung, die zu den unregelmäßig stattfindenden Festen die Preise stiftete und die Organisation der Veranstaltung übernahm. Im Jahre 1802 ging die jahrhundertealte Herrschaft der Kölner Kurfürsten und Erzbischöfe über das Sauerland zu Ende. Das Herzogtum Westfalen gehörte von da an zum Herrschaftsgebiet des Landgrafen - seit 1806 Großherzog - Ludwig X. von Hessen Darmstadt. Dieser ließ das Territorium im September 1802 besetzen, nachdem ein Beschluss des Reichstages in Regensburg eine entsprechende Einigung erwirkt hatte.

Die neuen Landesherren gingen zielstrebig daran, die Verwaltung nach ihren Vorstellungen zu gestalten und leiteten Reformen in die Wege. Mit der Einführung einer Landwehr, der alle wehrfähigen Männer vom 17. bis zum 60. Lebensjahr angehörten, wurde dem Schützen ihre Aufgabe als Hüter der Stadt entzogen. Die Landwehr musste die öffentliche Sicherheit gewährleisten, Unruhen verhüten und Wachdienste übernehmen. Die alten Schützengesellschaften im Sauerland lösten sich allmählich auf und ihr Vermögen floss in die örtlichen Armenfonds.